Freiwillige Einfachheit

Immer mal wieder taucht bei mir eine akute Almsehnsucht auf und ich wünsch mich auf den Berg zurück, gern in dem Maß, in dem Hektik, Dauerbeschallung oder Negativmeldungen zunehmen. Das Draußensein, sich dem Rhythmus von Natur und Tieren anpassen, die Ruhe im Kopf, die sich einstellt, wenn  Ablenkung fehlt, die körperlich anstrengende Arbeit, das enge Verhältnis zu den Tieren, Erfahrungen, die ich für keinen Luxus der Welt tauschen möchte.

Das Leben auf der Alm ist keine Heidilandromantik. Immer gleiche Abläufe, jeden Tag. Die Verantwortung für 98 Tiere. Wind und Wetter sorgen für Hochs und Tiefs, auch der eigenen Stimmung. Es gibt verletzte Tiere, Kälte und Nässe, das Tal ist fern. Und dennoch macht das Almleben glücklich.

Und süchtig. Gerne wieder:-)

 

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Bergzeit - Almzeit - Auszeit

Ein Monat in den Bergen. Hohe Gipfel erklommen, vorbeigewandert an Schneefeldern, Gebirgsseen und blühenden Almwiesen, auf der Alm geholfen, 83 Koima (Jungkühe) gehütet, 14 Kaiben (Kälber) betüdelt, Stall ausgemistet, Wut auf Wanderer, die achtlos Zäune offen lassen, Erschöpfung, Muskelkater und Blasen an den Händen, die weltbeste Milch zum Kaffee, Butter gemacht, 3 Hühner, die keine Eier legen wollten und ein junger Hahn, der (noch) nicht krähen konnte, ein Holzofen, auf dem köstlichste Speisen zubereitet wurden, kein Strom, kein Netz, keine Dusche, mit der Sonne aufstehen, selbstgebackenes Brot, Glück.

Im September wieder. 

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Blumen-Freitag

Ich kaufe fast nie Schnittblumen, da ich das Glück eines kleinen Gärtchens habe und mir dort etwas schneide, wenn ich Blütenaugenweide in der Wohnung brauche. Im Moment sieht es da draußen aber nur grau aus, und so gab es doch ein paar Stengelchen vom Blumendealer - einmal Schneeball, einmal Kamille, ein Trommelstöckchen, eine duftende Freesie, ein Zweig Rosmarin, fertig ist der Freitags-Blumengruß, angerichtet in selbstgetöpferter Vase, und weil ich die Farben so mochte, gleich noch in Schnipsel-Technik verewigt. Dazu aus einer Zeitschrift farblich passende Papierstückchen gerissen und mit Bastelkleber auf ein Stück Bastelkarton geklebt.

 

Und neue Kekse wurden ausprobiert, die Tahini-Plätzchen aus dem wunderbaren Kochbuch "Jerusalem".

Dazu 130 g Zucker und 150 g zimmerwarme Butter in der Kückenmaschine ca. 1 Minute gut verrühren, dann 110 g helles Tahini (Sesampaste), 1/2 Päckchen Vanillezucker und 25 g Sahne hinzufügen und weiter rühren, zuletzt 270 g Mehl unterrühren. Den Teig danach auf der Arbeitsfläche durchkneten, bis er glatt ist. Kleine Stücke (etwa 20 g) abreißen und zu kleinen Kugeln rollen, mit einer Gabel etwas flach drücken, auf zwei Backblechen verteilen, mit etwas Zimt bestreuen, bei 200° ca. 15-17 min goldbraun backen. 

 

Die Plätzchen sind schnell gemacht und eine super Möglichkeit, Tahini aufzubrauchen (weil man zum Beispiel 3 angefangene Gläser im Schrank hat), sind lecker (der Geschmack erinnert an Halva, die arabische Süßigkeit aus Sesamsamen und Honig), sie schaffen es aber nicht unter die Favoriten-Kekse. Sollte ich sie doch noch einmal machen, würde ich einen Teil des Mehls durch gemahlene Nüsse ersetzen und den Zimt weglassen.

 

"Wir brauchen Kreativität und vor allem Ungehorsam" - Arno Grün über den Verlust des Mitgefühls.

 

"The question for me has always been `What changes minds most?`" - Martin Hill erschafft geometrische Skulpturen in der Natur.

 

In regelmäßigen Abständen zertöppern wir versehentlich die Glaskanne des Druckstempel-Kaffeezubereiters, hier gibt es eine wunderschöne Version aus Keramik, also vielleicht beim nächsten Glasbruch...

 

Mein Tier des Tages:-)

 

Kommt gut ins Wochenende.

 

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Gutes Neues Jahr

 

Hallo 2016! Das war doch schonmal ein guter erster Tag mit uns beiden. Mit exzessivem Sofaliegen, Lesen und Resteessen, ganz wie sich das für einen Neujahrstag gehört. Und mit viel Kritzeln, Malen, Seiten vom Skizzenbüchlein füllen.

Auf ein gutes neues Jahr voller Kreativität, Lebensfreude, Horizonterweiterung, Mut, Zufriedenheit und Gesundheit.

 

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Helfen.

Das vorherrschende Gefühl der letzten Tage zum Thema Flüchtlingspolitik - wahlweise möchte man schreien oder heulen oder einfach am liebsten auf eine einsame Berghütte auswandern - lässt sich für mich am besten durch Machen beruhigen, irgendwie helfen, Hintern hoch und raus aus der Komfortzone und vor allem, mit eigenen Augen hinzuschauen.  Also machte ich mich gestern auf den Weg Richtung Hamburger Messehallen, wo seit ca. zwei Wochen über 1000 Flüchtlinge untergebracht sind und in einer der Hallen in den letzten Tagen eine riesige Kleiderkammer entstanden ist (hier ein guter Artikel).

 

Schon in der Nähe des Liefer-Eingangs Menschen mit Taschen und Tüten, voll beladene Autos werden vom Pförtner durchgewunken, Menschen, die ihre Sachen schon abgegeben haben, kommen mir entgegen, nicken mir lächelnd zu, ein überwältigendes Gefühl der Solidarität und der Menschlichkeit überschwappt mich. Am Eingang dann freundliche Helfer, die jedem weiterhelfen, der Blick in die riesige Halle, wie ein kleines Logistikunternehmen, manche wollen nur was abgeben, viele wollen mithelfen, ich will beides und werde mit meiner Tasche voller Babypflegeprodukte (auf der facebook-Seite gibt es ständig neue Informationen, was gerade dringend benötigt wird) in die Drogerieecke geschickt, die freuen sich über meine Mitbringsel, ich helfe mit, Stoffbeutel für die Erstausstattung zu packen, aus jeder Kiste (Duschgel, Zahnpasta usw.) ein Stück, irgendwann ist das Deo alle und bei den Babytüten die Schnuller, wir müssen hier erstmal pausieren, ich versuche, mir bei der Kleidung einen Überblick zu verschaffen, Berge, und es kommen laufend neue Tüten, die Sachen werden ausgepackt, sortiert, Männer, Frauen, Shirts hier, Hosen da, und nach Größen, die Stapel werden dann weiter nach hinten getragen auf große Berge, zum Teil kann man nicht mehr erkennen, wo welche Größe hin soll, die Markierungen auf dem Boden sind von Klamotten überdeckt, die Sortierung vom Berg in große Kartons ist daher recht mühsam, ich sitze irgendwann im Blusenberg und sortiere Blusen nach kurzärmelig / langärmelig und den jeweiligen Größen, ist das jetzt ne Tunika oder ein Herrenhemd orrr und wieder keine Größe drin... nach 3 Stunden schwitze ich und hab nasse Hände in den Gummihandschuhen, dafür aber ein ganz gutes Sortiersystem entwickelt, es herrscht überall konzentriertes Arbeiten, immer wieder kommen neue Helfer vorbei, die irgendwas suchen oder bringen, irgendwann sind die Kartons alle, kurze Zeit später hat irgendjemand einen riesigen Stapel Umzugskartons besorgt, große Freude, in der Mitte die Verpflegungsstation, Getränke, Kaffee, belegte Brote, Nudelsalat, selbst gebackene Kuchen, Obst, Schokolade, so viel, und alles von engagierten Menschen vorbeigebracht... Ich war nur einen halben Tag dort, allein das reicht aus, um sich von dieser positiven Stimmung anstecken zu lassen, sich weiter engagieren zu wollen, jeder kann dort vorbeischauen, mithelfen, einen klitzekleinen Beitrag leisten. Ich finde großartig, was die Organisatoren - und zwar alles Privatpersonen - dort auf die Beine gestellt haben und jeden Tag leisten. Und dann kommt man nach Hause, sitzt in seiner eigenen Küche, voller Nachdenklichkeit, Demut und Dankbarkeit, dass es einem so gut geht, einfach nur, weil man hier geboren ist. Nie fand ich den neuen IKEA-Katalog im Briefkasten belangloser als heute. Stattdessen backe ich Schokokekse, die ich am Wochenende bei der Kleiderkammer vorbei bringen will, bin neugierig, wie die Halle dann aussieht, heute sollen von Helfern Holzleistenkonstruktionen gebaut werden, um das Sortieren übersichtlicher zu machen...

 

Es ist so einfach, Stellung zu nehmen, durch Worte, Taten, Spenden.

Viele gute Informationen und Spendenmöglichkeiten findet man auf der Webseite blogger-fuer-flüchtlinge.

Spenden speziell für Hamburg kann man hier.

In manchen Supermärkten/Drogerien kann man einfach Produkte kaufen und in bereitgestellte Kisten packen, die dann weitergeleitet werden, in Hamburg z.B. bei Budni oder Edeka Niemerszein.

 

Schön finde ich die Idee der Welcome-Dinner.

 

Dieser Text, so gut.

 

Ich wünsche ein schönes Wochenende. Und hier noch ein Lied.



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Mit Zirbe schläft es sich besser...

kleine Kissen gefüllt mit Zirbenholzspänen fördern angeblich den gesunden Schlaf - auf jeden Fall duften sie himmlisch (develloppa)

Bis zu meiner Alpenwanderung war mir die Zirbe (auch Zirbelkiefer oder Arve genannt) völlig unbekannt. Man findet sie hauptsächlich in den Inneralpen zwischen 1600 und 2500 m Höhe, sie wächst sehr langsam und kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Aus den Zirbenzapfen wird aromatisch harziger Schnaps gemacht, mit dem ich auf der Dreischusterhütte erstmalig in Kontakt kam. Schnaps ist ja gar nicht mein Ding, aber dieser ist schon sehr speziell und aromatisch (allein der Geruch war der Hammer).


Und das Holz ist ebenfalls sehr speziell, der typische Duft des Holzes ist auf das Pinosylvin zurückzuführen, eine chemische Verbindung im Kernholz der Zirbe, das gasförmig entweicht und nicht nur angenehm duftet, sondern auch antibakteriell und gegen Pilzinfektionen wirkt. Nicht umsonst fertigten Bergbauern früher Truhen für Mehl oder Brot sowie Kleiderschränke aus Zirbe, oft sind auch die Schlafstuben und Betten aus Zirbenholz. Man sagt der Zirbe nach, sie fördere das Allgemeinbefinden, einen gesunden Schlaf und senke die Herzschlagfrequenz.


Man muss aber nicht gleich ein ganzes Bett aus Zirbenholz haben, ein kleines Kissen gefüllt mit Zirbenholzspänen reicht angeblich bereits aus, um die positive Wirkung zu spüren. Nun ja, auf jeden Fall riecht es herrlich aromatisch und wenn man es nicht neben dem Kopfkissen haben will, tut es im Kleiderschrank gute Dienste, Motten mögen den Geruch nämlich gar nicht.


Die Späne für meine Zirbenkissen habe ich von hier, genäht sind sie aus gefärbtem Baumwollstoff und selbst bedrucktem Leinen. Für den Druck habe ich zum ersten Mal diese Softcutplatten ausprobiert, die sind sehr leicht zu bearbeiten, aber das Auftragen der Farbe mit der Gummiwalze hat gar nicht funktioniert (vielleicht zu glatt und rutschig), also bin ich wieder zur altbewährten Fingerauftragmethode übergegangen. Ich hatte nur braune und blaue (Stoff)Farbe, beides fand ich im Ergebnis nicht so schön, die Mischung aus beiden war am besten. Da ich mir beim Schneiden der Softcutplatten nur einmal in den Finger geschnitten habe, drängt mich mein innerer Bastelzwang, es demnächst mit echten Linolplatten zu versuchen. Es lebe die Neugierde und die Lust am Ausprobieren:-)


verlinkt mit creadienstag.


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einmal quer durch die Alpen

Es war eine Weile ruhig hier. Es hat mich in die Berge gezogen, die Alpen im Juni sind wunderschön. Von Hütte zu Hütte gewandert, so viele verschiedene Gesichter der Berge gesehen, großes Glück mit dem Wetter gehabt, viele tausende Höhenmeter bergauf und bergab, der Rucksack genau 8 Kilo schwer, es gab Muskelkater, Erschöpfung, Gipfelglück, Schneefelder, blühende Almen, neugeborene Kälbchen, Kaspressknödelsuppn, Kaiserschmarrn, schnarchende Zimmergenossen, weiter Blick, Freiheit, Durchatmen. Genau so hatte ich mir das vorgestellt. 

Und kaum zu Hause und die Wandersocken gewaschen, denke ich ans Meer und will plattes flaches weites Land, hohen Himmel und Nordseewind. Berge und Meer, so verschieden, und doch haben beide die gleiche Sehnsuchts- und Seelenwirkung für mich. 


Und eigentlich hatte ich mir vorgenommen,  jeden Tag eine kleine Zeichnung zu machen. Es blieb bei der Watzmann-Ostwand (Blick vom Königssee) am ersten Tag, ab dann blieb keine Muße, das Skizzenbüchlein aus den Tiefen des Rucksacks zu kramen. Jeden Morgen 7 Uhr Frühstück, spätestens 8 Uhr Aufbruch, am Abend gab es nur noch Anstehen für die heiße Dusche, Essen!!!, ein paar Dehnübungen für die müden Beine (sehr empfehlenswert), die Strecke des nächsten Tages, und früh ins (mehr oder weniger bequeme) Bett.


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Tellerrand #3 - mit Wunderknete, Schnittlauchblütenbutter und ´nem ganzschön alten Song

Heute gibt´s mal wieder ein paar schöne, interessante oder inspirierende Dinge, woanders entdeckt und lose zusammengewürfelt.

 

"Reparieren ist eine Einheit von mechanischem Arbeiten, analytischem Denken und emotionalem Glückserlebnis, wenn die Reparatur gelingt." (sagt Wolfgang Heckl, Autor des Buches "Die Kultur der Reparatur")

 

Das uralte Konzept, kaputte Dinge zu reparieren, spart Geld, ist nachhaltig und verbindet uns mit unseren Dingen. Aber Reparieren ist längst kein Ausdruck mehr von Armut oder Geiz, sondern stellt das herrschende Wegwerfdenken infrage, es geht um Müllvermeidung, und in den immer mehr entstehenden Repair-Cafés auch um den Gemeinschaftsaspekt, denn geschraubt wird zusammen, mit Leuten, die Ahnung und Werkzeug haben.


Ich macgyver da mal was - ein oft gehörter Satz in unserem Haushalt, der Freund ist Meister im Macgyvern, also der Fähigkeit, aus allen möglichen gerade verfügbaren Gegenständen und Werkstoffen etwas Hilfreiches herzustellen. Womit wir zur Wunderknete kommen. Das Zeug heißt Sugru und ist ein Silikonmaterial, das im Ausgangszustand 30 min wie Knetmasse verarbeitet werden kann und dann innerhalb von 24 Stunden aushärtet, dabei formstabil und trotzdem elastisch ist, man kann damit Formen, Abdichten, Isolieren, Abpolstern, also macgyvern ohne Ende. Schon allein die Slogans wie "hack things better" oder "the future needs fixing" mag ich, und den ansteckenden Enthusiasmus von Sugru-Erfinderin und Product-Designerin Jane Ni Dhulchaointigh ("you don´t need to be an expert, learn it.") mag ich noch mehr. 

 

Und dann mag ich Doros Zeichnungen. Einfach jede ihrer kleinen feinen Zeichnungen mit Köpfchen und Witz macht mir gute Laune, heute hat sie bei Indre ein paar Fragen beantwortet.


Und ich brauche sofort Maiwipfel, zarte grüne Tannenspitzen, nämlich hierfür, da die allerdings in Hamburg nicht mal eben so zu pflücken sind und es ja auch schon Juni ist, wird das wohl aufs nächste Frühjahr verschoben.

 

Dieser Song ist heute 50 Jahre alt. 

Derselbe Song klingt so, wenn er von Björk und PJ Harvey performt wird. Großartig.

 

Wer´s noch nicht wusste: Schnittlauchblüten kann man essen und Schnittlauchblütenbrot ist noch leckerer ist als Schnittlauchbrot und sieht schön aus und gesund ist das Ganze auch noch.

 

Ich hoffe, ihr seid gut in den Juni gestartet, und hey Juni, zeig uns bitte ganz viel Sommer, ja?



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Durchatmen

Eine Woche Auszeit.

Durchatmen.

Im Tal von Soller, und in den Bergen der Tramuntana, mit knorrigen Olivenbäumen (die gerade blühen), wilden Kräuterdüften, Kochexperimenten, kleinen Märkten mit köstlichen Tomaten, merkwürdigen Pflanzen, abenteuerlichen Bergtouren und passender Urlaubslektüre.

Ich liebe diesen Teil von Mallorca.

Immer wieder.

"Alles, was Dichter und Maler sich erträumen können, hat die Natur hier geschaffen, ein gewaltiges Ganzes mit unendlichen Einzelheiten in unerschöpflicher Vielfalt, wirre Formen, scharfe Konturen, verschwommene Tiefen, alles ist vorhanden, und Kunst könnte dem nichts hinzufügen."

(George Sand - "Ein Winter auf Mallorca")


Demnächst ausprobiert wird auf jeden Fall dieses Rezept für den typisch mallorquinischen Mandelkuchen (Gato di Almendra), oder vielleicht Ensaimadas, diese luftigen Gebäckkringel, von denen ja gern mal behauptet wird, dass die wichtigsten Zutaten die Luft und das Klima der Insel seien und sie deshalb außerhalb niemals so gut werden könnten, oder wie wär´s mit diesem Orangeneis ?

 

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Samstagskaffee - mit Gartenblick, Topfpflänzchen und Saisongartenversuchung

Morgens mit dem ersten Kaffee erstmal ´ne Runde durch den Garten, ohne Jacke, barfuss, mit Sonne und Vogelgezwitscher, grossartig. So könnte ein Tag immer anfangen.

 

Früher in Omas großem Bauerngarten und auch im elterlichen Schrebergarten lieber genascht als geholfen, habe ich später in allen Wohnungen jeden verfügbaren Platz zum Begärtnern genutzt - Balkone, abenteuerliche Konstruktionen an Fenstern, Garagendächer (der Vermieter ist fast in Ohnmacht gefallen), jetzt das kleine Stadtgärtchen. Das ist sehr schön, aber manchmal träume ich von mehr Platz, fetter Erde, alten Gemüsesorten (ich bin die, die stundenlang im Gartenfachmarkt die Samentütchen studieren kann), büschelweise Kräuter und Sommerblumen ernten - das kriegt mein Gärtchen mit seinem Schatten, der schlechten Erde und den Baumwurzeln nicht hin...

 

Aber es gibt da dieses Feld in der Eidelstedter Feldmark, mitten in Hamburg. Die Familie Ramcke baut dort seit Jahrzehnten Futterrüben für die Elefanten in Hagenbecks Tierpark an, dafür gibt es dann von Hagenbecks den Elefantendung, besser kann man seinen Acker wohl nicht düngen.

Das Prinzip der Saisongärten ist super, man mietet für eine Saison (ca. Anfang April bis Oktober) ein Stück Land (80 qm für 199 Euro oder 40 qm für 115 Euro) und bewirtschaftet es nach eigenen Vorstellungen, man muss sich keinen Kleingartenvereinsregeln mit Kassenwart und genormter Heckenhöhe unterwerfen, einzige Bedingung: kein künstlicher Dünger und nichts Mehrjähriges/Festes, im Oktober wird nämlich alles wieder umgepflügt.

 

So sah es Ende März aus:

hier entstehen bald wieder Saisongärten in der Eidelstedter Feldmark in Hamburg (by develloppa)

Und so letzte Woche:

Die Parzellen sind abgesteckt, Saisongärten in der Eidelstädter Feldmark Hamburg (by develloppa)

Eigentlich habe ich keine Zeit für so ein Projekt, müsste erst hinradeln, um dann mit der Gießkanne zu gießen, und wie schnell wächst eigentlich das Unkraut auf so einem Acker... trotzdem ist die Versuchung groß - fetter Ackerboden, volle Sonne, angeblich keine Nacktschnecken, dafür Hase und Reh, die sich ab und zu bedienen, der Austausch mit anderen Gartenbesitzern (bis jetzt ergab sich immer ein netter Schnack, wenn ich da neugierig am Feldrand stand), selbst angebautes Biogemüse ernten.

 

Ich werde wohl weiter vorbeiradeln und mir das anschauen und darüber nachdenken, und bis dahin werde ich weiter meine Töpfe und Holzkisten bepflanzen, mich über grüne Spitzen freuen, mich über schlechte Erde, Schatten und Nacktschnecken ärgern, dafür aber barfuss, mit Schlumpihose und ´nem Kaffee in der Hand.

verlinkt zu Ninjas Samstagskaffee.


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Frühlingsblühen

Kirschblüte (by develloppa)

Heute nur ein paar Bilder vom gestrigen Frühlingsspaziergang, ohne viele Worte.


"It´s spring fever. That is what the name of it is. And when you´ve got it, you want - oh, you don´t quite know what it is you do want, but it just fairly makes your heart ache, you want it so!" 

(Mark Twain)

Blütenexplosion - Magnolie (by develloppa)
Magnolie - by develloppa
Die Magnolienblüten brechen aus ihrer rauhen Hülle - by develloppa
Magnolienblüten - by develloppa
Diese Farben! Bäume im April - by develloppa
Bärlauch im Hamburger Jenischpark - develloppa

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Märzgarten

 "Das Warten hat ein Ende. Die Unruhe. Das kräftezehrende Ausharren. Gott, was hat der Winter lange gedauert! Zuerst geht der Frost. Dann kommt das Licht. Und bald auch die Wärme. Also, der Frühling ist da. Zeit, die Bücher wegzulegen, das Träumen einzustellen und  die Arbeit aufzunehmen. Klopfen wir uns die Schwermut aus den Kleidern. Zugegeben, vom Schreibtisch aus betrachtet, macht der Garten noch nicht viel her. Aber laufen Sie mal raus und atmen Sie tief ein. Jetzt hat die Luft wieder Geruch und Geschmack... den Geruch der aufbrechenden Erde, den man geradezu essen kann. Gehen Sie mal zu ihren Beeten, knien Sie sich hin, beugen Sie sich zum Boden hinab und stecken Sie ihre Hände in die weiche Krume. Leben!" (Jakob Augstein in Die Tage des Gärtners)


Heute ist der erste Tag, an dem man den Frühling richtig sehen, spüren, hören, riechen kann. Ich bin dann mal draußen. Sonnigen Sonntag!

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Samstagskaffee - mit Hundebesuch und Aprilhimmel

Der heutige Samstagskaffee ist einer auf die Schnelle. Es geht gleich zu einer Einladung, da gibts dann noch mehr Kaffee, ganz in Ruhe und in großen Mengen. Die Mitbringsel stehen bereit: ein Frühlingsgruß in der liebsten Keksdose und selbstgebackene Käsecracker.

Und vorher gibt´s noch eine große Hunderunde mit Fanny, die für zwei Wochen bei uns wohnt, weil ihre Familie Ferien ohne Hund macht. Das heißt, den Hund mit in den Tagesablauf einplanen, jeden Tag mindestens drei Stunden draußen rumlaufen, und zwar bei jedem Wetter, Wadenmuskelkater am zweiten Tag, nachmittägliche Müdigkeitsanfälle wegen soviel frischer Luft und Bewegung, und Labradoodle haaren übrigens wohl, dieser hier jedenfalls... 

Das alles ist eine Menge Arbeit, aber ich liebe es auch. Und man bekommt soviel zurück, ist bei Wetter draußen, wo man sonst nie das Haus verlassen hätte und dann ist es auf einmal total schön, man entdeckt neue Ecken in der direkten Nachbarschaft, weil man mal andere Wege geht, Fanny ist ein unglaublich lustiger und netter Hund, man kommt schnell mit anderen Hundebesitzern in Kontakt, klar, man hat ja sofort ein Thema (na wer bist du denn? Junge oder Mädchen? Was steckt da denn alles drin? Ach ein Labradoodle? Wie alt ist sie denn? Oh sonst spielt der ja nie so wild....) und schon geht man zusammen durch den Park. Aber ich bin auch sehr gern allein unterwegs, einfach die Natur einatmen, rumgucken, nachdenken... Und nach dem Spaziergang ´n Pott Milchkaffee und ein zufrieden schnarchender Hund, der Yogaverrenkungen auf seinem Kissen macht, unbezahlbar.

 

Anfang letzter Woche war das Wetter hier wirklich ungemütlich, Gummistiefelwetter, matschige Wege und nasse Wiesen, drei mal täglich dreckiger nasser Hund, aber wir haben tollen Himmel gesehen, dunkelgrau und blau gemixt, gerade noch Sonne und plötzlich Hagel, richtiges Aprilwetter.

 

Aber jetzt freue ich mich, dass es jeden Tag etwas wärmer und trockener wird und man den Frühling riechen kann, bei Sonne spazieren gehen ist doch irgendwie noch schöner.

Euch einen wunderschönen Samstag!

am Kollau-Wanderweg in Hamburg
am Kollau-Wanderweg in Hamburg
unterwegs in Hamburgs schönstem Park - dem Jenischpark

verlinkt mit Ninjas Samstagskaffee und Katjas Himmelsbildern

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Tellerrand #2 - mit Sushi, einem Frisörbesuch, Zeichenkünstlern und einem Kakerlakophon

Hier wieder ein paar lose zusammengewürfelte, aber handverlesene Fundstücke aus der großen weiten Welt des Internets:

 

Stevan Paul schreibt über seine kulinarischen Erfahrungen in Japan, köstlich, das macht Fernweh und Hunger.

 

Frau Haessy war beim Frisör und beschreibt dieses Erlebnis und man lacht und nickt wissend und hat das ja auch schon mal erlebt, und man denkt, selber schuld, das war doch klar, und dann schlägt sie den Bogen und man möchte rufen Genau! Billig ist blöd! An dieser Stelle übrigens ein Hoch auf meine Haarschneideschere, die mir seit Jahren gute Dienste leistet. 

 

Mit Karneval kann ich ja eigentlich überhaupt gar nichts anfangen, aber diese Fotos von Smilla Dankert mochte ich sehr. Und dann hat sie auch noch die Gartenvögel an der Futterstation fotografiert, mit Wahnsinnsgeduld und laufender Nase und eisigem Zeigefinger, so tolle Aufnahmen, ich hab das ja neulich auch versucht, mit deutlich weniger Erfolg (und natürlich deutlich weniger Geduld...).

 

Beim Gärtnerinnenblog gefunden: Vier Disney-Zeichner malen einen Baum. Ich könnte denen stundenlang zugucken... 

 

Wo wir schon beim Zeichnen und Staunen sind, hier noch ein paar bewegte Illustrationen.

 

Aahhrrr, und ich glaube, ich muss mir eine Plüsch-Kakerlake nähen!

 

Eine gute Woche!



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Gefiederte Freunde

Ich habe das große Glück, ein kleines Stück Garten zu haben, mitten in der Stadt. Darüber freue ich mich jeden Tag. Es ist mein morgendliches Ritual, mit dem ersten Kaffee eine Runde durch den Garten zu wandern und nach dem Rechten zu sehen. Jetzt im Winter ruht der Garten. Obwohl - nicht ganz. Vor zwei Wochen lag hier etwas Schnee und ich habe Vogelfutter gemacht, um den Vögeln zu helfen, gut über den Winter zu kommen (und natürlich auch, damit sie es hier super finden und mal ein Nest bauen). Rezeptideen gibt es hier. Zum Einfüllen habe ich ausrangierte Tassen, Stücke von Papprollen und leere Milchkartons benutzt. Mein Favorit sind eindeutig die Milchkartons, da läuft beim Einfüllen nichts raus, und auch bei den Vögeln sind sie am beliebtesten, es gibt ständig Streit um die Sitzplätze:-)  Dazu Milchkarton gut auswaschen, oben und unten gewünschte Länge abschneiden, mit Heißkleber einen Ast reinkleben, ein Loch für das Band zum Aufhängen pieken, Futtermischung noch warm einfüllen, nach dem Aushärten aufhängen, warten. Hier hat es ca. eine Stunde gedauert, bis die ersten sich getraut haben. Über eine flache Schale mit frischem Wasser (möglichst katzensicher aufgestellt) freuen sie sich übrigens auch. Es macht so Spaß, das rege Treiben zu beobachten.


Und ich stelle fest, dass ich die wenigsten Arten kenne. Ja gut, die Kohlmeisen, die Amseln, die über den Rasen huschen, den Eichelhäher... aber diese hier auf dem Foto? Ich habe mir also vorgenommen, die verschiedenen Vögel im Garten in Zukunft zu erkennen. Es gibt vom NABU einen Online-Vogelführer und auch eine App dazu, das werde ich mal ausprobieren. Und ein  Vogelstimmenquiz, ebenfalls vom NABU. Oder wie wär´s mit einer Vogelgesangs-CD?


Egal ob töpfern, nähen, malen, Fimo-Broschen basteln - Vögel tauchen (neben Hunden) bei meinen kreativen Ausprobierereien immer wieder auf, sie machen mir einfach gute Laune.

 

Wunderschön finde ich diese aus Stoff gebastelten Vögel von Abigail Brown.

 

Und diese hier von Angela Moulton, die jeden Tag ein kleines Bild malt.

 

Hier ein Video von einem tanzenden Vogelschwarm. Faszinierend.


Schönen Tag euch, ich gehe wieder Vögel beobachten.

 


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Tellerrand #1

Ich stöbere ja sehr gern in anderen Blogs (und verbringe damit oft viel zu viel Zeit, hmpf...), ich freue mich über schöne Inspirationen, Rezepte, Bastelideen, Buchtipps, Dinge, die gute Laune machen oder zum Nachdenken anregen, halt der berühmte Blick über den eigenen Tellerrand, dafür liebe ich das Internet, und einige dieser Netzfundstücke möchte ich ab und zu hier mit euch teilen, einfach so, und weil´s Spaß macht.

 

Zum Beispiel dieses Blogprojekt: "A compliment a day" - jeden Tag einer Person ein Kompliment machen, was für eine schöne Idee! (gefunden bei Okka)

 

Dieses Orangen-Schoko-Eis löst bei mir sofortigen Speichelreflex aus. Das Problem ist, um das Eis zu machen, muss erstmal Bitterorangenmarmelade hergestellt werden (als Selbermacher kommt Marmelade kaufen nicht in Frage). Habe 2 kg Pomeranzen beim Gemüsehändler bestellt.

 

Ideen für eine bessere Welt - bei MiMa dieses Video gesehen, so inspirierend und schön.

 

Noch ein Video, bei Frau Nessy gefunden, nach dem Ansehen möchte man sofort zum Sport. Girl you can - was für eine tolle Kampagne.

 

Das hier ist das absolut süßeste genähte Buch, dass ich je gesehen habe.

 

Der Valentinstag ist mir ja ziemlich egal,  aber sollte ich dennoch irgendeinen Basteldrang diesbezüglich verspüren, würde es wohl dieses Kaleidoskop werden.


Habt´s schön, ich google jetzt noch ein paar Bitterorangenmarmeladenrezepte.



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Nordseeliebe

Kaum etwas kann meinen Akku so aufladen wie ein Tag am Meer - so viel Himmel, diese Weite, der Wind, die salzige Luft, der Geruch, das Rauschen der Wellen, das Geschrei der Möwen, den Kopf frei pusten, die Seele baumeln lassen...  "Das Meer wäscht alle Beschwerden weg" - das glaubte schon der griechische Philosoph Platon.

Und Meer geht bei jedem Wetter, auch im November oder Januar, auch wenn es grau und stürmisch ist. 

Mein Lieblingsziel für einen Tag am Meer: St.Peter-Ording. Es liegt auf der Halbinsel Eiderstedt an der Nordseeküste, von Hamburg in knapp anderthalb Stunden zu erreichen, also gut geeignet für einen Tagesausflug, der sich wie ein kleiner Kurzurlaub anfühlt.


St.Peter-Ording hat einen riesigen Strand, 12 km lang und bis zu 2 km breit, ins Auge fallen gleich die typischen Pfahlbauten (die Pfähle halten übrigens ca. 20-25 Jahre und müssen dann erneuert werden) und der Leuchtturm Westerhever. Und neben ganz viel Strand und Meer gibt es wunderschöne Dünenlandschaften, das Vorland mit seinen Salzwiesen, und das Weltkulturerbe Wattenmeer.  

Ich finde es ja am Schönsten, wenn es ruhig und einsam ist, aber auch in der Hochsaison kommt sich hier niemand in die Quere - Kitesurfer, Strandsegler, Kitebuggyfahrer, Sandburgenbauer, Drachensteigenlasser, Hundebesitzer, Bernsteinsucher, Wanderer, Vogelbeobachter, Wellnessfans (es gibt eine Dünen-Therme mit Meerwasser-Wellenbad und großer Saunalandschaft) - für alle ist genug Platz.

Von März bis Oktober kann man an zwei Stellen mit dem Auto direkt auf dem Strand parken, was besonders für Wassersportler und Campingbusbesitzer sehr attraktiv ist, Übernachten am Strand ist allerdings verboten.


Wir waren im Dezember zum ersten Mal für mehrere Tage in SPO und haben uns im Beachmotel einquartiert. Das Beachmotel  ("Wir wollen kein teures und schickes Resort sein und auch kein spießiges und ganz normales Hotel") befindet sich gleich hinter dem Deich, ist auf drei Gebäude verteilt, mit Holzverandas und bodentiefen Fenstern hübsch anzuschauen und auch innen hell und geschmackvoll eingerichtet. Das Restaurant "dii:ke" direkt im Haus, Frühstück bis 12 Uhr, im gesamten Motel kostenfreies WLAN, Bücherwände, Sofaecken, eine 24 Stunden geöffnete Bar mit konstanter Kaffee- und Teeversorgung, ein Wellnessbereich, das Meer direkt vor der Nase, stundenlange Strandspaziergänge, tief durchatmen.

Schön war das. 


(mehr Meerbilder gibt es bei Fees #BlickaufsMeerstattKopfvordieWand)



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Was sagen?

Tausende von Menschen gehen in diesen Tagen auf die Straße - als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des brutalen Attentats in Paris und als Geste für das Selbstbewusstsein freier Gesellschaften, islamische Organisationen haben sich - klar wie nie zuvor - mit sehr deutlichen Worten von dem Attentat distanziert, es wird diskutiert, was Satire darf und was nicht, Millionen Menschen sind "Charlie", zunächst eine spontane, symbolische Geste der Solidarität, und dann als viel größere Idee, die mit den Begriffen Freiheit von Presse & Meinung, Freiheit im Allgemeinen, Rechtsstaatlichkeit usw. formuliert wird, manche wollen aber eben nicht Charlie sein, oder empfinden einen emotional-moralischen Druck aus dem (Online-)Umfeld, sich zu empören, sich zu positionieren, gut oder böse, und warum gibt es eigentlich keinen Massenaufschrei für die Terroropfer in Pakistan oder Nigeria... Manchmal möchte ich einfach nur den Kopf in den Sand stecken, und weiß natürlich, dass das keine Option sein kann, ich will informiert sein, und ich finde die Fülle an Informationen großartig und notwendig, zum Filtern und Bewerten, ja das ist anspruchsvoll bis anstrengend, Denken kann halt anstrengend sein, im Idealfall führt es zu Reaktionen und Handlungen. 

Ich sortiere, recherchiere, lese, hinterfrage... und trotzdem bleibt ein Wirrwarr in meinem Kopf. 

Andere können ihre Gedanken so viel besser in Worte fassen, zum Beispiel die Raumfee, hier und hier und hier, ich mag jeden dieser Artikel so sehr.

"Zu wissen, dass alle unter dem selben Himmel leben, reicht nicht aus, wenn nicht alle den gleichen Horizont haben."

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Hallo 2015

So, da ist es nun, das Neue Jahr. Noch unbeschrieben, frei für Wünsche, Hoffnungen, neue Möglichkeiten, man ist neugierig, was es einem wohl bringt, erwartungsvoll, vielleicht voller Elan und guter Vorsätze. Natürlich braucht man dafür kein bestimmtes Datum und kann Veränderungen jederzeit angehen, aber so ein Jahreswechsel ist einfach ein guter Anlass, um kurz inne zu halten, zu schauen, wo man steht und wo man hin möchte, durchzuatmen - und dann weiter zu machen.

 

Für das neue Jahr habe mir einen kleinen Wunschzettel geschrieben, der kommt in eine Kiste und wird am Ende des Jahres wieder rausgeholt. Mehr kleine Dinge als große Vorsätze - laut Cello zu üben, auch wenn es (noch) schräg klingt und die Nachbarn vielleicht genervt sein könnten, Englisch zu quatschen, auch wenn es holpert, diesen Blog weiter zu machen, auch wenn ich das manchmal alles wieder in die Tonne stampfen möchte, endlich die Shopseite hier zu basteln, mehr nähen, mal wieder zeichnen oder töpfern oder drucken, einfach so aus purer Freude, spielerischer sein, manchmal mutiger, einfach Machen, weniger Zweifler und Zauderer sein, ich neige gerne dazu, alles zu durchdenken und abzuwägen, alles richtig machen zu wollen (und es allen Recht machen zu wollen), nach einem blöden Sturz im letzten Jahr ist mir wieder sehr bewusst, wie wertvoll Gesundheit ist, mehr Achtsamkeit, bereichernde Begegnungen, Lebensfreude, Liebe... all das wünsche ich mir und allen, die hier mitlesen, für 2015.

 

Und einfach mal alles locker lassen, mehr Gelassenheit, und sehen, dass alles so, wie es ist, schon ganz schön toll ist.

Dankbar dafür sein.

 

Nach chinesischem Horoskop ist 2015 ein Ziegenjahr, dominiert von Umsicht, Verständnis und Harmonie. Ich glaube, damit kann ich gut leben. 

 

 

"I hope that in this year to come, you make mistakes.

Because if you are making mistakes, then you are making new things, trying new things, learning, living, pushing yourself, changing yourself, changing your world. You´re doing things you´ve never done before, and more importantly, you´re Doing Something.

So that´s my wish for you, and all of us, and my wish for myself. Make New Mistakes. Make glorious, amazing mistakes. Make mistakes nobody´s ever made before. Don´t freeze, don´t stop, don´t worry that it isn´t good enough, or it isn´t perfect, whatever it is: art, or love, or work or family life.

Whatever it is you´re scared of doing, Do it.

Make your mistakes, next year and forever."

- Neil Gaiman - 

 

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Ein Weihnachtsbaum ohne Tanne und warum bunt am einfachsten ist

Bild: Weihnachten knallbunt /develloppa

Unser Weihnachtsbaum ist bunt. Sehr bunt. Das ist super, man kann nämlich den kompletten Inhalt der Weihnachtskiste dran hängen, alles geht. Die jährlichen Weihnachtsschmuck-Farbtrends kann ich so einfach links liegen lassen. Obwohl ich manche Trends wirklich wunderschön finde, sehe ich nicht ein, jedes Jahr neuen Weihnachtsbehang zu kaufen, wenn doch zwei randvolle Weihnachtskisten im Keller stehen. Wenn ein Kind bei der Dekoration beteiligt ist, kann man Farbkonzepte eh vergessen, da kommen dann in der Schule gebastelte oder geschenkte oder von der Oma mitgegebene Anhängsel ins Haus und natürlich müssen die alle mit an den Baum. Und Kinder erinnern sich ja auch an jedes Teil aus der Weihnachtskiste, das ist phänomenal, keine Ahnung, wo die Sportklamotten sind oder die Trinkflasche, aber die kleinen Wichtel vom letzten Jahr, die sind doch in der Kiste... Und dann ist man sehr froh, dass man sie im letzten Jahr nicht heimlich entsorgt hat.

 

Ein weiteres Phänomen in der Weihnachtskiste sind Lichterketten. Jedes Jahr beim Enttüdeln schwört man sich, sie beim Abnehmen ganz ordentlich aufzuwickeln und dann holt man im nächsten Jahr doch wieder ein Kabelknäuel aus der Kiste. Dabei wurde in meiner Kindheit das Abschmücken sehr ernst genommen, jedes Silberkügelchen zurück in sein Kästchen, die Baumspitze in Seidenpapier gewickelt, die Lamettafäden (es war dieses gute, schwere Lametta:-)) wieder von den pieksenden Nadelspitzen gefummelt und in Papier gewickelt.

 

Aber zurück zur Lichterkette, wir brauchten eine Neue, Freund und Kind haben sie ausgesucht. Sie kann lila leuchten. Und blau, pink, und orange. Kann man per Knopfdruck steuern. Und sie kann auch alle paar Sekunden die Farben wechseln, es ist einfach schrecklich. Vielleicht klebe ich die Fernbedienung auf orange fest... Und nun stellt euch mal vor, mein Dekokonzept dieses Jahr wäre weiß/kupfer gewesen... Da ist knallbunt doch irgendwie viel einfacher. 

Bild: hier einige Lichtstimmungen der Lichterkette. Und ja, diese Kugel kann innen bunt blinken...

Dem ein oder anderen ist vielleicht aufgefallen, dass es sich bei unserem Baum nicht um einen klassischen Tannenbaum handelt, sondern um drei zimmerhohe verzweigte Äste, die unten zusammengeschraubt sind. Das spart Platz, das Sofa muss nicht verschoben werden, keine rieselnden Tannennadeln und außerdem hat mich schon als Kind der kleine Tannenbaum in der gleichnamigen Geschichte von Hans Christian Andersen sehr gerührt.

 

Hier noch ein Text über die Problematik des korrekten Weihnachtsbaumes. 


Bild: unser Baum kann alles tragen... /develloppa

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Unfreiwillig im Faultier-Modus

Ärztlich verordnetes Nichts-Tun. Ein Biosuppenhuhn im Topf, Frau Pimpis Immunbooster direkt aus der Flasche, Pellkartoffeln auf der Stirn, Zwiebelsaft, literweise Thymiantee, heißen Schnaps mit Pfeffer vorm Schlafen gehen... ich arbeite mich durch sämtliche Hausmittel, um den "sauschweren Männerschnupfen" (anhand von Frau Nessys Beschreibung eindeutig als solchen identifiziert) ohne Antibiotika los zu werden. Nichts-Tun ist gar nicht so einfach, so kurz vor Weihnachten, noch so viele to-do-Listen, Basteleien, Erledigungen... Stopp. Nichts tun. Ohhmmm. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen.

Obwohl, sollte ich vor Weihnachten genesen, werde ich ein Faultier nähen, habe ich beschlossen. Faultiere werden nämlich zuwenig beachtet, als Kuscheltier sind sie mir jedenfalls noch nicht untergekommen. Dafür aber als süße Kettenanhänger.

Faultiere hängen mit ihren bis zu 10 cm langen Krallen fast ihr ganzes Leben am Baum, sie können nicht laufen, nur kriechen, und zwar mit einer Geschwindigkeit von 1m/Stunde(!), und trotzdem klettern sie etwa alle 10 Tage mühsam vom Baum, um ihr Geschäft zu verrichten. Jaaa, solche Informationen bekommt man in einem Hörbuch für Kinder. Es heißt "Kuckuck, Krake, Kakerlake - Das etwas andere Tierhörbuch" und erzählt wunderbar witzig und informativ von sehr ungewöhnlichen Tieren wie dem Wasserreservoirfrosch, dem Riesenröhrenwurm, oder dem dsungarischen Zwerghamstermännchen. Wem das noch nicht genug Tiergeschichten sind, es gibt noch ein weiteres ebenso empfehlenswertes Hörbuch über Wintertiere: "Eisbär, Elch und Eule - von Schnee- und Eisbewohnern", ebenfalls erschienen im Oetinger-Verlag. Beide Hörbücher sind für Kinder ab 8 Jahren angegeben (wir haben sie schon etwas früher gehört) und sind auch für Erwachsene total gut zu hören, zum Beispiel wenn man krank auf dem Sofa liegt.

So, ich häng hier jetzt noch ein bisschen rum und hör die Geschichte vom arktischen Erdhörnchen, dass im Winter 8 Monate schläft und seine Körpertemperatur dabei bis zum Gefrierpunkt sinken lassen kann. Total verrückt.

Bleibt gesund!

 

Bild: Faultier / gezeichnet von develloppa
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Zweiter Advent und ein paar kleine Gute-Laune-Dinge

Bild: zweiter Advent / by develloppa

Wegen Basteleien, Bäckereien, Familienbesuch, einem Ausflug und einer fetten Erkältung passiert hier auf dem Blog grad wenig.  Zum Schreiben brauch ich nämlich Zeit und Muße. Und Lust. Da halt ich´s mit Farin Urlaub: "Was nicht geht, geht nicht. Und was geht, geht."  Was heute geht, sind Schnappschüsse, ich zeig euch ein paar Bilder und Dinge, die mich gefreut haben an diesem zweiten Adventswochenende. 

Bild: Kastanien-Cantucchini / develloppa

* Kastanien-Cantucchini, Rezept bei Stepanini gefunden, nachgebacken, für lecker befunden und so eine gute Verwendung für das (ziemlich teure) Kastanienmehl gefunden, welches nach einem anderen Kochexperiment übrig war.

* Unser Advents- äh...-brett, wo in einer kleinen Waldlandschaft alle verfügbaren Hirsche und Elche aus der Weihnachtskiste versammelt sind. Ach ja, die Weihnachtskiste.... aber dazu ein andermal mehr.


* Schöne Überraschung im Briefkasten: Diese süßen Postkarten von Carli, liebsten Dank!! 

* Der Adventskalender, der in letzter Minute fertig geworden ist, und dass es am Strand von St.Peter-Ording Müllgebilde gibt, die glatt als hippe Adventskränze durchgehen könnten:-)

 

* dieser kleine Adventskalender von Doro Ottermann zum selbst Ausdrucken ist so herrlich unkitschig und ich weiß genau, dass ich irgendwann durcheinander komme...


* das hier sind die nächsten Weihnachtsplätzchen, die ich ausprobieren werde - schon allein weil sie ganz ohne nerviges Ausstechen auskommen.

 

* und ganz viel Cello. Am liebsten von Mischa Maisky. Hier zum Beispiel, so eingängig und emotional, oder hier, dasselbe Stück, derselbe Mann, nur Jahre später. Für Seriengucker hätt´ ich noch das hier (ich gestehe, diese Serie geht völlig an mir vorbei, die einzige Stelle, wo ich wach werde, ist beim Cello in der Titelmusik;-) 

 

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen zweiten Advent!

 

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Eichhörnchenbesuch

Bild: ein sehr neugieriges Eichhörnchen klopft an die Fensterscheibe / by develloppa

Sehr ungewöhnlichen Besuch gehabt heute. Es hat an die Scheibe geklopft, wirklich! Ich bin ganz vorsichtig mit Erdnüssen rausgeschlichen - das Eichhörnchen ist ohne zu Zögern auf mein Knie gehüpft und hat die Nüsse aus der Hand geknabbert. Völlig angstfrei. Noch nie hab ich so nah und ausgiebig Eichhörnchenpfötchen gesehen mit diesen langen Fingern... Und diese Geräusche, die es beim Essen gemacht hat, hach... Nach ausgiebigem neugierig sein, in die Gießkanne klettern, Wasserschlauch beknabbern und mir über den Rücken hüpfen hat es sich getrollt. Was für eine nette Begegnung.

Bild: Eichhörnchen mit Erdnuss / by develloppa
Bild: neugieriges Eichhörnchen Erdnuss knabbernd / by develloppa
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Hallo Herbst

Heute hat er sich dann endlich mal gezeigt, der Herbst. Mit Sturm und Regen und Kälte. Herrn Buddenbohm wird´s gefreut haben, hatte er doch gestern auf seinem Blog so herrlich die Folgen des Fehlens eines vernünftig regengraukalten Herbstes beschrieben. Aber nun ist ja alles gut.

Passend dazu heute eine Kritik zum neuen Album von Element of Crime gelesen, aber zum Kaufen muss es noch viel viel herbstlicher werden, soviel Melancholie ist dann doch eher was für Ende November.

Jetzt, Anfang Oktober, ist noch alles gut, es gibt diese tolle neblige Morgenluft, Kürbisse, buntes Laub, erstes Mal wieder Stiefel anziehen, Erntezeit, die Veränderung und den Rückzug der Natur, das mag ich ja. Aber spätestens im November brauch ich ein paar Gemütsaufheller.

Immer gut sind natürlich stapelweise Bücher, auf die man sich freut.

Stricken lernen (liebe Susanne, hilfst du mir?). Sich den Nachbarshund ausleihen.

Ans Meer fahren. Das Meer find ich auch (oder gerade?) im stürmischsten November toll.

Zimtschnecken backen. Oder Brot. Schmorgerichte kochen, die Stunden im Ofen brauchen. Im Herbst habe ich viel mehr Muße und Geduld für aufwendige Gerichte, man verpasst ja nichts da draußen.


Vanilleeis mit Olivenöl und Salz. Klingt schräg? Ist schräg. Aber genau mein Geschmack. Dieser wunderbaren Beschreibung von Stepanini kann ich nichts hinzufügen.


Und  diese Decke von BastisRike, ich bin so verliebt!


Und das Wissen, dass der nächste Sommer garantiert kommen wird und dass es BunBos gibt, der nächste Urlaub wird bitte genau so verbracht.


Ich hoffe, ihr habt auch eure kleinen Anker, um gut durch den Herbst zu kommen.

 

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Der Berg ruft - eine Woche durchs schöne Wallis und Tessin

Blick von der Belalp im Oberwallis mit Abendsonne, rechts am Rand das Belalphotel
Blick von der Belalp im Oberwallis mit Abendsonne, rechts am Rand das Belalphotel

Ich mag die Berge. Schon als Kind immer mit den Eltern gewandert, ergreift mich manchmal eine Bergsehnsucht, nach hohen Gipfeln, schneebedeckten Spitzen, Ausblicken, die sich ständig ändern,  Alphütten, Bergluft, Wanderstiefeln, Kuhglocken...

Meersehnsucht hab ich auch ganz oft. Fast immer eigentlich. Aber nicht im September, da rufen die Berge!

Vor fast zwanzig Jahren hab ich kühehütend allein einen Sommer auf einer Alphütte im Wallis verbracht, das war anstrengend und großartig und lehrreich, hat mich an Grenzen gebracht und ich möchte es auf keinen Fall missen. Da hab ich mich ein bisschen ins Wallis verliebt. Und muss da deshalb immer mal wieder hin.


Der Rhonegletscher am Furkapass
Der Rhonegletscher am Furkapass

Als Weg über die Alpen wurde diesmal der Furkapass gewählt. Jeder Pass ist anders. Die, wo man unten auch durch einen Tunnel fahren kann, sind besonders schön, weil sich hier nicht die LKW´s hochschrauben. So wie der Furkapass. Ich wusste gar nicht, dass es dort  einen Gletscher gibt, den Rhonegletscher. Fast hätte ich ihn nicht gesehen, weil man dafür Eintritt zahlen muss und ich das doof fand, aber ich wurde überredet. Der Anblick ist schon beeindruckend, man kommt ihm sehr nah, kann sogar ins Innere gehen, ein künstlich angelegter Gang, von dem das Wasser tropft.  Ein Teil des Eises ist zum Schutz vor der Sonne abgedeckt, das erinnert an ein Christo-Werk, trotzdem ist das Schmelzen nicht aufzuhalten. Wenn man sieht, wie dieser Gletscher noch vor 40 Jahren ausgesehen hat (in der Pass-Raststätte, die ihre Hoch-Zeit deutlich hinter sich hat, sieht man alte Bilder), macht einen das auch nachdenklich und traurig. Aber im Vergleich zum Großen Aletschgletscher, dem größten Eisstrom der Alpen, auf den wir auch noch einen Blick werfen wollen, ist das hier ein "kleiner Fisch". 


Nachtfrost! Warten, dass die Sonne uns wieder auftaut und dann bei strahlend blauem Himmel eine Wanderung im Binntal zum Albrunpass
Nachtfrost! Warten, dass die Sonne uns wieder auftaut und dann bei strahlend blauem Himmel eine Wanderung im Binntal zum Albrunpass

Das Binntal im Oberwallis, eher zufällig bei der Campingplatzsuche entdeckt, ist ein Landstrich, der so ganz anders ist als das Klischee von Zermatt und seinem Horn, keine Viertausender, auch keine Seilbahnen oder Skipisten, dafür viel Bauernland, ursprüngliche Natur und seltene Gesteinsarten. Das Binntal ist uraltes Siedlungsgebiet, Bedeutung gewann es durch seine Nachbarschaft zu Italien, der  Albrunpass (2409m), der schon im Spätmittelalter von den Walsern benutzt wurde, ist heute ein beliebtes Wanderziel, hier steht auch die im Sommer bewirtschaftete Binntalhütte des Schweizer Alpenclubs, in der wir wegen der netten Hüttenwirtin Bernadette fast spontan übernachtet hätten (nachdem wir ganz kurz in Italien waren:-)) 

 

 

 

Im Wallis trafen wir Schwarznasenschafe, lustig anzuschauen mit ihrem dickem weißem Lockenfell, spiralförmigen Hörnern, schwarzen Gesichtern und Füßen, sie sind ganzschön groß und deutlich neugieriger als norddeutsche Schafe.

Unser Weg führte vom Rhonetal mit der Seilbahn auf die Belalp, die ihren Namen "schöne Alp" zu Recht trägt. Und hier, auf 2130 m Höhe, direkt an der Aletschkante, mit Blick auf den Aletschgletscher und schneebedeckte Viertausender, steht das Hotel Belalp, gastlich, freundlich (Danke Luigi), mit guter Walliser Küche und grandioser Aussicht. Und ´nem Zimmer mit Balkon (logisch, dass das nicht gerade günstig war, aber die heiße Dusche war es wert, ich sag nur Aufstehen bei minus 4 Grad!)

Aus der mäßigen Sicht bei der Ankunft (keine Viertausender, pffff) wurde am nächsten Morgen Nullsicht. Dicker kalter Nebel. Aber der Plan, heute einen Dreitausender zu erklimmen, stand. Das Sparrhorn rief.

Man sieht, warum das Sparrhorn Sparrhorn heißt, sehr schroff und manchmal fast Herr-der-Ringe-Mordor-mäßig. Und ja, das Weiße ist Schnee. Aber die roten Wegweiser führten uns gut, dann endlich das Gipfelkreuz in Sicht und bilderbuchmäßig riss oben der Nebel auf und ein paar Bergriesen erschienen aus dem Nichts. Hach, so schön. Nach 10 min andächtigem Sitzen, Gucken und Schokoriegel futtern war es sooo kalt, dass wir Tschüß Sparrhorn sagen mussten. Nachdem wir uns ins Gipfelbuch eingetragen hatten. Der Rückweg dann bei komplett anderem Wetter, immer wieder beeindruckend, wie schnell sich das in den Bergen ändern kann.


Frühes Aufstehen wurde durch einen bezaubernden Morgengruß belohnt, Dom, Matterhorn und Weißhorn leuchten rosa in der Morgensonne (kein Handyfoto kann diese Stimmung auch nur annähernd einfangen). Aber losreißen, wir wollten noch weiter ins schöne Tessin, wo es nämlich deutlich wärmer ist. 


Ich mag ja die Weite und das Majestätische der Walliser Alpen, aber das Tessin hat seinen eigenen Reiz, es gehört zur Schweiz und ist doch schon so italienisch, und so vielfältig, die engen Gebirgstäler, das Centovalli, die typischen kleinen Schieferhäuser, die Kastanienwälder... Und das Val Bavona - ein wildes Tal mit dicken Felsbrocken, das nicht elektrifiziert ist und in dem im Winter nur ein einziges von zwölf Dörfern bewohnt ist und wo die Sonne im Winter überhaupt nur eine Stunde hinkommt,  man kann  sich kaum vorstellen, wie karg und hart das Leben der Menschen hier früher war. Und dann ist man innerhalb einer halben Stunde in Locarno am Lago Maggiore mit Palmen, Blumenpracht und Seepromenade.

Und immer ist die Zeit zu kurz.

Bis zum nächsten Mal, Berge! 

 

Merke: Wenn man weiß, dass man so parkt, sollte man das bis zum Abend nicht vergessen, nicht im Stockdunkeln noch schnell was aus´m Kofferraum holen und nicht zwei Schritte zurücktreten, um die Heckklappe zu schließen. Das endet sonst mit diversen Prellungen. Jedenfalls bei mir.

Aua.

Passt gut auf euch auf, manchmal passieren doofe Sachen, wenn man gar nicht damit rechnet.

Nachtrag: Und weil diese Woche in den Bergen sooo schön war und die Bilder das Gefühl ein wenig zurück holen, schicke ich sie zu Nic´s "freezeplease" Momenten im September.

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Dieser Tag wird kommen!

Dieser Song hat mich heute durch den Tag begleitet. Für die Freiheit, gegen die Bornierten, für Toleranz, gegen Homophopie.

Marcus Wiebusch hat als Kopf und Sänger der Hamburger Band Kettcar einige der (für mich) schönsten, ehrlichsten und traurigsten Lieder der letzten Jahre geschaffen. 

Das Stück "Der Tag wird kommen" ist ein 7-Minuten-Song von seinem in diesem Jahr erschienenen Solo-Debüt-Album "Konfetti". Es sollte dazu mehr als nur ein "normales" Musikvideo entstehen, ein Musikkurzfilm sollte es werden. Der hätte das Videobudget der Hamburger Independent Plattenfirma Grand Hotel van Cleef gesprengt, Wiebusch entschied sich für eine crowdfunding-Kampagne, über 54000 Euro kamen zusammen und haben dieses musikalische und filmische Plädoyer gegen Homophopie im Fußball möglich gemacht, seit gestern ist der Film im Netz.

Gänsehautfaktor: hoch!

 

"Es wird der Tag kommen, an dem wir die Liebe, das Leben und die Freiheit feiern. Jeder liebt den, den er will und der Rest bleibt still. Ein Tag, als hätte man gewonnen. Dieser Tag wird kommen. "


So, ich höre mir jetzt den Rest vom Album an. Euch eine gute Nacht.

 

 

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Aleppo-Olivenölseife - oder: wie ein Klotz zu einem Lieblingsprodukt wurde

Da hat der Freund neulich vom Einkaufen diesen Klotz mitgebracht. Weil er "lustig" und ungewöhnlich aussah. Und hat sich gefreut, wie ich mich vorsichtig genähert hab und dran geschnuppert habe, sah nämlich wie ein alter harter Käse aus, und der Geruch, ähm naja, ungewöhnlich. Jedenfalls nicht das, was man von Seife erwartet.  Wir brauchten nämlich ´ne neue Seife. Zum Hände waschen. Für´s Gesicht darf man ja keine Seife verwenden. Hat man ja so gelernt, oder?

Auf jeden Fall hat dieses Ding, was laut Stempel Aleppo-Seife heißt,  meine Neugierde geweckt und ich hab mal recherchiert, wozu hat man denn Google. Und das war so interessant, dass ich es mit euch teilen möchte. 

 

Die Seife wird seit Jahrhunderten in Syrien, und zwar vorwiegend in Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, hergestellt. Seifensiedereien in Aleppo werden oftmals in Familientradition geführt, die Inhaltsstoffe und Produktionsprozesse haben sich seit dem 8. Jhd. wenig oder nicht geändert. Bis März 2011 gab es in Aleppo über hundert Seifensiedereien, mittlerweile sind es nur noch wenige, die dem Bürgerkrieg trotzen.

 

Bei der Herstellung wird reines Olivenöl in großen Kesseln zusammen mit Wasser und Sodaasche erhitzt und bis zu 3 Tage gesiedet/verseift, zum Schluß wird das Lorbeeröl hinzugefügt. Die hellgrüne dickflüssige Seifenmasse wird in großen Becken verteilt und sobald sie fest geworden ist, wird sie in Handarbeit in Stücke geschnitten und von Hand mit Siegelabdruck versehen. Dann muss sie noch reifen und wird dazu für mehrere Monate (zum Teil bis zu 2 Jahre) zur Trocknung gelagert. Die Seifen verlieren in dieser Zeit ca. ein Drittel ihres Gewichtes, werden hart und bekommen den typisch ockergelben Farbton, das Innere bleibt aber olivgrün.

Der Anteil an Lorbeeröl beträgt 15%, 25% oder 40%, je höher der Lorbeerölanteil desto teurer, und es gibt auch Aleppo-Seifen, denen Tonerde oder ätherischen Ölen zugefügt werden. 

 

Die Seife ist 100% pflanzlich, ohne Konservierungsstoffe und zusätzliche Tenside, Schaumstabilisatoren, Glyzerin und ohne künstliche Duft- und Farbstoffe, sie ist folglich vegan und ohne Tierversuche hergestellt. 

Das Olivenöl reinigt besonders sanft und pflegt die Haut nachhaltig, wirkt rückfettend und unterstützt die selbstregulierende Funktion der Haut, das Lorbeeröl wirkt antiseptisch, stimulierend und kräftigend auf die Haut. Sie ist für alle Hauttypen geeignet, und für Menschen mit problematischer Haut, die sensibel auf viele Reinigungsprodukte reagieren, kann dies eine gute Alternative sein.

 

Außer den naheliegenden Anwendungen (Händewaschen, Gesichtsreinigung, Duschen) ist sie (mit Wasser schön cremig aufgeschäumt) eine tolle Rasierseife, sie eignet sich angeblich auch zur Haarpflege (das wage ich allerdings noch nicht, da das Haar wohl eine Weile zum Umstellen braucht und erstmal struppig oder strähnig reagieren kann, öhm nööö...), aber es gibt dafür auch eine spezielle Aleppo-Haarseife. Man kann damit auch Zähne putzen, wenn man auf den Geschmack steht. Weiterhin eignet sie sich zur Entfernung hartnäckiger Flecken und hilft - in den Kleiderschrank gelegt - gegen Motten. Reibt man Mückenstiche mit der trockenen Seife ein, hat das Lorbeeröl eine beruhigende und reizlindernde Wirkung, und da Lorbeeröl auch krampflösend ist, soll sie sogar gegen Krämpfe in den Beinen wirken, wenn man sie am Fußende unter das Betttuch legt.

Wow. Ein sehr praktisches Utensil für den Urlaub, man spart eine Menge Zeug zum Mitschleppen. Und eine Menge Plasikmüll, denn im Gegensatz zu den ganzen Duschgel- und Shampooflaschen und Rasierschaumspendern, die man so verbraucht, kommt die Seife mit einer Papierbanderole als Verpackung aus. Und nochwas: sie ist zu 100% biologisch abbaubar, ist also super für Globetrotter, Wanderer und Camper, wenn Körperpflege mal in der Natur stattfindet.

 

Die Seife schäumt relativ wenig, der große Klotz ist etwas unhandlich (man kann aber auch kleinere Stücke schneiden), die Haut fühlt sich gereinigt und erfrischt an und leicht "quietschig" (weil nämlich nicht wie bei vielen Reinigungsprodukten, die Erdöl enthalten, ein Film auf der Haut zurück bleibt, der den Eindruck von weicher Haut vermittelt), einzig der Geruch ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, leicht holzig-ledrig, aber inzwischen mag ich ihn sogar total gern.

 

Tja, und so hat sich der unansehnliche merkwürdige Klotz in nur wenigen Tagen zu einem tollen Beautyprodukt gemausert und macht einfach ein gutes Gefühl.

 

Falls ihr jetzt neugierig seid und die Seife auch mal ausprobieren möchtet, fragt doch mal in eurem Drogeriemarkt oder Bioladen oder schaut im Internet. Man kann die Seife z.B. bei Zhenobya bestellen, und da gibt es auch viele weitere Infos und Bilder.

 

Einen schönen Montag und bleibt sauber,

Dagmar

Olea europaea - Zweig vom Olivenbaum, mit Buntstift gezeichnet - by develloppa
Olea europaea - Zweig vom Olivenbaum, mit Buntstift gezeichnet - by develloppa
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Immer am Fluß entlang - eine Woche Elberadweg

Wir sind eine Woche lang die Elbe flussaufwärts geradelt, der Freund und ich, vollgepackte Räder, mit Zelt und Schlafsäcken, von Hamburg nach Dessau/Roßlau, viele neue Blickwinkel, unglaublich viel Natur, Störche, Sommerhitzeflirren, Wege die im Nichts enden, Dorfgaststätten, die 19 Uhr Feierabend machen, lustige Fährüberfahrten (siehe Foto), die Erkenntnis dass man sich niemals!! direkt vor einer Radtour einen neuen Sattel kaufen sollte, und immer wieder der Fluß, so anders, so schön! Dieser Urlaub entsprang eigentlich dem Umstand, dass unser VW-Bus geklaut wurde (der ist inzwischen wieder da, wir hatten unglaubliches Glück, aber das ist eine andere Geschichte...), und es war großartig, Deutschland hat so tolle Ecken und wir kennen viel zu wenig davon. Irgendwann werden wir den fehlenden Teil radeln, über Dresden bis zur Elbquelle.  

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Flohmarktfund und rosa Borretsch

Ich liebe Flohmärkte, besonders bei strahlendem Sonnenschein wie heute! Und das sind meine Fundstücke:

 

eine Retro-Tischdecke (Stoff geht IMMER...) und ein kleiner "Handwebstuhl für die Schule", sowas MUSS einfach mit! Ich bin gespannt, das Teil auszuprobieren. Bis dahin tue ich es mal zu all den anderen lustigen Sachen, die ich irgendwann ausprobieren will, öhem...

 

Und der Borretsch im Garten fängt an zu blühen, hach, diese wunderschönen blauen Sternchen... und dazwischen packt er diesjahr ein paar rosafarbene, guckt mal:

 

Hat übrigens jemand Tipps, wofür man die behaarten Blätter nutzen kann (außer für inne grüne Soße, das gab´s neulich schon...)?

Sonnigen Sonntach euch!

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Gartenentdeckungen


Also was die Schnecken in meinem Garten am leckersten finden, weiß ich inzwischen (dass denen nicht schlecht wird von dem ganzen Basilikum), aber irgendwer futtert grad meine (noch grünen) Johannisbeeren weg. Und knickt Zweige ab. Ich habe einen Verdacht. Bobo und Berti (ich kann nix für die Namen, die hat der Freund ihnen gegeben), das Ringeltaubenpärchen, das seit Wochen immer mal wieder versucht, ein Nest in einem zierlichen Bäumchen zu bauen. Wer schonmal Ringeltauben beim Nestbau beobachtet hat, weiß, sie sind nicht die Geschicktesten. Nest ist also noch Baustelle, vielleicht auch Zweitwohnsitz. Ich mag die beiden, sie machen manchmal lustige Sachen. Aber das geht echt zu weit. Johannisbeerstrauch fast kahl fressen, tssss. Ich weiß noch nicht, wie ich mich den beiden gegenüber beim nächsten Besuch verhalte...

Und das hier wächst in meinem Hochbeet. Vor ein paar Wochen als Kohlrabipflänzchen gekauft. Das sieht jetzt aber irgendwie nicht mehr danach aus, als obs ein Kohlrabi werden wollen würde, es wächst nach oben und macht nix Knolliges. Ich tipp jetzt mal auf Rosenkohl. Dabei mag ich Rosenkohl nicht besonders. Aber es wird mir eine Freude sein, ihm beim Wachsen zuzuschauen, Rosenkohl im Hochbeet ist nämlich Premiere. Aber vielleicht wird es auch was ganz anderes? Ich werde berichten...

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